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Geschichte

Die Idee des Zentrums Interstices erwuchs aus der Plattform für Forschung und intellektuellen Dialog der Alain-Daniélou-Stiftung. Diese Plattform wurde 2015 von Adrián Navigante ins Leben gerufen; ihr Zweck war es, die Kluft zwischen der westlichen Wissenschaft mit ihrem modernen, säkularen Impetus und nicht-westlichen Wissenssystemen traditioneller Prägung auf bestmögliche Weise zu überbrücken.

Anfangs konzentrierte sich die Plattform auf Forschung und Interaktionen entlang der Achse Indien–Europa. Die Komplexität sowohl des europäischen Kontexts als auch des indischen Subkontinents – ebenso wie die Spannung zwischen unterschiedlichen Weltkonfigurationen, Methoden und Wissenssystemen – führte jedoch eher dazu, die Kluften zu vertiefen, als sie mit kulturellen Verstehensstrategien (die in den meisten Fällen Masken der Herrschaft sind) zu füllen. Amanda Viana de Sousa stieß 2018 zu dieser Plattform, und seither wurde deren Horizont schrittweise hin zu einem transversalen Zugang zu nicht-westlichen Kulturen erweitert, darunter südasiatische, westafrikanische und indigene amerikanische Traditionen.

Der transversale Ansatz beansprucht Erkenntnis nicht durch Objektivität, sondern durch eine andere Dimension der Subjektivität (als Transformationsprozess) im Kontext kultureller Durchdringung und wechselseitiger Beeinflussung. Er ist nicht mit einer vergleichenden Methode akademischer Provenienz gleichzusetzen, da der Ausgangspunkt nicht zwei aufeinander zu beziehende Einheiten sind, sondern eine Linie, die ungleichartige Territorien durchquert.

Die Philosophie von Interstices, die an jene der früheren Plattform der FAD anknüpft, unterscheidet sich von dem, was im Westen gewöhnlich praktiziert wird: Statt eines asymmetrischen Zugangs – also einer objektiven Beschreibung oder historisch-philologischen Rekonstruktion der betreffenden autochthonen Kulturen – geht es vor allem darum, mit ihnen in eine symmetrische Interaktion zu treten. Dabei gilt es, sowohl oberflächliche Essentialisierungen (wie die der Perennialisten) als auch vorschnelle Identifikationen (wie die mancher New-Age-Gruppen) zu vermeiden und vor allem an den ‚Lücken‘ zwischen unserer Weltkonfiguration und derjenigen der anderen zu arbeiten – denn keine Weltkonfiguration ist ein geschlossenes, ein für alle Mal festgelegtes System.

In den Zwischenräumen finden sich die vielversprechendsten Faktoren, um eine Zukunft ohne die Vorurteile der Vergangenheit zu bauen.

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