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Können wir anders denken? Können wir anders leben?

Die Welt ist eine Anhäufung von Gemeinplätzen – ob künstlerisch oder gelehrt, technokratisch oder bukolisch, progressiv oder konservativ. Sie trennen den Menschen von einem Leben in Beziehungen und verwandeln seine Existenz in Käfige der Entfremdung und Leere. Die Biodiversität erlischt, Götter und Geister verbergen sich, natürliche Wesen werden zu Dingen herabgesetzt, und die menschliche Sozialität zerbricht unter dem Imperativ der Quantifizierung, Mechanisierung und Austauschbarkeit.

Um Raum für etwas Anderes zu schaffen, müssen wir in den Zwischenräumen arbeiten, damit ‚das Gewöhnliche‘ dem ‚Singulären‘ weichen kann – doch keine Linie verbindet diese verstreuten Räume. Wir müssen meiden, was in ihnen bereits festgelegt und für selbstverständlich gehalten wird. Das bedeutet, quer durch verschiedene Disziplinen zu gehen und unterschiedliche Projekte im Zentrum wie am Rand dieser Disziplinen voranzubringen – mit dem Willen, wiederherzustellen, was gerade zerstört wird.

In den Zwischenräumen zu arbeiten ist die Kunst der Transversalität. Transversalität besteht darin, die Kehrseite der Gemeinplätze freizulegen und sie schöpferisch zu erweitern.

Vision bedeutet weder, etwas Besonderes zu sehen, noch zu halluzinieren, noch sich als ‚Visionär‘ in Szene zu setzen. Vision besteht darin, in den Zwischenräumen einer vorgefertigten und für selbstverständlich gehaltenen Welt singuläre Arbeit zu leisten. Wir schlagen eine kulturelle Anstrengung vor, einen Spalt zu öffnen und in einem anderen Raum zu atmen – individuell und kollektiv –, um die Lungen mit der Luft des Wandels zu füllen.

Können wir von anderen lernen, statt sie belehren zu wollen? Können wir Pole zusammenführen, statt sie getrennt zu halten? Können wir komponieren, statt zu zerstören? Können wir Erfahrung nähren, statt Abstraktionen zu reproduzieren? Können wir ‚Denken‘ und ‚Leben‘ in wesentliche Wechselbeziehung bringen? Können wir poetisch kämpfen?

Das ist unsere Wette. Eine performative Stimme, die den Ton individueller und kollektiver Verwandlung zu treffen sucht. Eine Stimme, die weder von der Oberfläche bestehender Gemeinplätze noch aus den Tiefen nicht existierender Landschaften aufsteigt, sondern aus den Zwischenräumen einer im Werden begriffenen Weltkonfiguration.

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