Philosophie
Interstices betont lokale Nuancen gegenüber abstraktem Universalismus, erfahrungszentrierte Ansätze gegenüber unpersönlichem Wissen, schöpferisches Denken gegenüber starrer Spezialisierung, subjektives Engagement gegenüber objektiver Distanz, Erkundung gegenüber Beherrschung, lebensbejahende Erotik gegenüber lebensverneinender Askese, die Suche nach Weisheit gegenüber der Reproduktion von Unwissenheit, den guten Gebrauch der Imagination gegenüber dem schlechten Gebrauch der Vernunft, konstruktive Kritik gegenüber destruktivem Antagonismus, energetische gegenüber exegetischen Lektüren, eine Politik der Gastfreundschaft gegenüber xenophoben Obsessionen, ekstatische Religiosität gegenüber dogmatischen Glaubenssätzen, Poesie gegenüber verdinglichter Sprache, Gemeinschaft gegenüber Individualismus, Beziehung gegenüber Isolation.
Anliegen
Das zentrale Ziel des Zentrums Interstices ist es, die vorherrschende Weise, unsere Welt zu komponieren, zu dekomponieren. Eine Welt zu komponieren ist die wichtigste Art, wie wir uns existenziell – individuell und kollektiv – in die lebendigen Netzwerke von Menschen und Nicht-Menschen um uns herum einbringen.
Seit den Anfängen der Moderne hat die westliche Zivilisation eine Welt komponiert, in der Nicht-Menschen (Pflanzen, Tiere, Flüsse, Wälder usw.) objektiviert, das heißt jeder subjektiven Qualität beraubt und in eine Ansammlung von Ressourcen verwandelt werden, die zum Nutzen des Menschen auszubeuten sind. Die Ausrichtung auf Wissenschaft und Technik im Dienst einer totalen Merkantilisierung der Wirklichkeit ist zu einem Kriterium globaler Politik geworden. Die Folge dieses Kurses sind eine exponentielle Zerstörung der Biodiversität, ein fortschreitendes Verschwinden schöpferischen und kritischen Denkens, eine Naturalisierung menschlicher Entfremdung und eine Reduktion komplexer, miteinander verflochtener Lebewesen auf quantifizierbare und bloß instrumentelle Atome.
Die vorherrschende Weise, unsere Welt zu komponieren, zu dekomponieren, heißt nicht, die gegenwärtige Weltkonfiguration als Ganze zu verwerfen – was historisch wie existenziell unmöglich wäre. Es verlangt vielmehr die beständige Anstrengung, andere Weltkonfigurationen kennenzulernen, von ihnen zu lernen und konstruktiv an einem wirksamen Wandel auf den Ebenen der Wahrnehmung, der Imagination und der Kognition zu arbeiten, um ein Beziehungsgeflecht wiederherzustellen, in dem Menschen eine Welt mit (und nicht auf Kosten von) allen anderen Wesen gemeinsam erschaffen können.